Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 28. April 2015: Verurteilung des Jugend-Fußballtrainers von Dersimspor e.V. aufgehoben

Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 28. April 2015: Verurteilung des Jugend-Fußballtrainers von Dersimspor e.V. aufgehoben

[Az. des Oberlandesgerichts: 1 Rev 13/15;
Az. der Staatsanwaltschaft: 4005 Js 531/13;
Az. des Amtsgerichts Hamburg-Harburg: 623 Ds 421/13]

Der 1. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts hat die Verurteilung eines Fußballtrainers wegen fahrlässiger Tötung im Zusammenhang mit dem Unfalltod eines siebenjährigen Jungen aufgehoben und das Verfahren zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Abteilung des Amtsgerichts Hamburg-Harburg zurückverwiesen.

Mit Urteil vom 27. Oktober 2014 hatte das Amtsgericht Hamburg-Harburg  den angeklagten Fußballtrainer wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe verurteilt. Dem Urteil lag folgender Vorgang zugrunde:

Am 17. Mai 2013 trainierte der Angeklagte auf dem Fußballplatz des Vereinsgeländes Dersimspor e.V. die dortige C-Jugendmannschaft. Nach dem Training, als die Mannschaft den Platz bereits verlassen hatte, ging der Angeklagte zu seinen Spielern und wies sie darauf hin, dass die zu Trainingszwecken auf die Pfosten gekippten, jeweils knapp 200 kg schweren Tore wieder „zusammen aufgestellt“ werden müssten. Nach dieser Aufforderung ging der Angeklagte zunächst in den Geräteraum. Drei 12- bis 14-jährige Mannschaftsspieler begaben sich daraufhin allein zu den Toren. Dort spielte der nicht zur Mannschaft gehörende 7-jährige „Effi“ F. mit einem Freund Fußball. Beim Aufstellen der mit einem Kippmechanismus versehenen Tore durch die Vereinsspieler wurde „Effie“ F. von der Querverstrebung eines Tores am Kopf getroffen und zwischen Boden und Querverstrebung eingeklemmt. Er verstarb wenige Stunden später an den Folgen der Verletzungen.

Das Amtsgericht Hamburg-Harburg hatte die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen darauf gestützt, dass dem Angeklagten eine Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen sei, da er sich unmittelbar nach der Anweisung an die Jugendlichen, die Tore wieder aufzustellen, nicht auf das Spielfeld zu den Toren begeben habe.

Das Hanseatische Oberlandesgericht beanstandet, dass das Amtsgericht die Sorgfaltspflichten eines ehrenamtlichen Übungsleiters fehlerhaft bestimmt hat. Zu berücksichtigen sind bei der Entscheidung, welche Sorgfaltspflichten ein ehrenamtlicher Übungsleiter hat, Verhaltensregeln der Sportverbände, der geistig-sittliche Reifegrad der jugendlichen Mannschaftsmitglieder, die zeitlichen und örtlichen Gegebenheiten und der Umstand, dass der Übungsleiter ehrenamtlich eine dem Gemeinwohl dienende Tätigkeit ausübt. Hierzu hatte das Amtsgericht keine ausreichenden Feststellungen getroffen.

Ein neuer Termin wurde beim Amtsgericht Hamburg-Harburg noch nicht anberaumt.