Urteil des Landgerichts im Verfahren gegen die Eltern des Kindes Yagmur

Urteil des Landgerichts im Verfahren gegen die Eltern des Kindes Yagmur

[Az.: 601 Ks 3/14] In dem Verfahren gegen die Eltern des im Dezember 2013 verstorbenen Kindes Yagmur hat das Landgericht Hamburg am 25. November 2014 die Mutter wegen Mordes in Tateinheit mit Misshandlung von Schutzbefohlenen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach den Feststellungen der Großen Strafkammer schlug, kniff und trat die Mutter ihre Tochter über Monate hinweg immer wieder und verursachte so u.a. Hämatome, Schürfwunden, einen Knochenbruch und Verletzungen der inneren Organe. Spätestens in den letzten beiden Wochen vor dem Tod des Kindes im Dezember 2013 erkannte die Mutter, dass die Misshandlungen für Yagmur lebensbedrohlich waren. Gleichwohl misshandelte sie das Kind weiter und nahm dessen Tod billigend in Kauf. Yagmur erlag am 18. Dezember 2013 ihren zahlreichen Verletzungen. Zum Todeszeitpunkt waren 83 Verletzungen feststellbar: Hämatome, Schürfwunden, Leberriss, Einblutungen im Bauchbereich und Blutungen im Kopf. Da die Mutter grausam handelte, d.h. Yagmur in gefühlloser, unbarmherziger Gesinnung Schmerzen zufügte, die nach Stärke und Dauer über das für die Tötung erforderliche Maß hinausgingen, verurteilte die Große Strafkammer die Mutter wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und nicht wegen Totschlags zu einer zeitlich begrenzten Freiheitsstrafe.

Die „besondere Schwere der Schuld“ gem. § 57a Abs. 1 Nr. 2 StGB stellte das Landgericht nicht fest. Unter Abwägung aller für Tat und Täterpersönlichkeit  maßgebenden Umstände konnte die Große Strafkammer keinen deutlich überwiegenden Anteil schulderhöhender Momente feststellen. Zwar wirkten u.a. Ausmaß und Dauer der Misshandlungen schulderhöhend, auf der anderen Seite waren aber zu berücksichtigen, dass eine psychische Disposition der Mutter das Tatgeschehen begünstigte (die Mutter litt an einer postpartalen Bindungsstörung) und sie mit lediglich bedingtem Tötungsvorsatz, mithin der schwächsten Vorsatzform handelte, es ihr also bei den Misshandlungen nicht auf die Tötung des Kindes ankam.

 

Das Landgericht verurteilte den Vater wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen in Tateinheit mit Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten. Nach den Feststellungen des Landgerichts wusste der Vater jedenfalls seit Oktober 2013 von den Misshandlungen durch die Mutter. Spätestens am Wochenende vor dem Tod des Kindes sah der Vater auch die Möglichkeit, dass die von der Mutter verursachten Verletzungen tödlich sein könnten. Dennoch schützte er seine Tochter nicht. Er befürchtete, dass das Jugendamt ihm das Kind entziehen würde und hoffte, dass sich die Situation u.a. durch eine Therapie der Mutter verbessern würde. Im Rahmen der Strafzumessung berücksichtigte die Große Strafkammer zu Lasten des Vaters u.a. Dauer und Intensität der Misshandlungen. Zu seinen Gunsten wurde u.a. berücksichtigt, dass der Vater Reue äußerte und zumindest in Ansätzen versucht hatte, Maßnahmen zum Schutz des Kindes in Gang zu setzen. Der Vater hatte bei Verwandten angefragt, ob sie Yagmur übergangsweise bei sich aufnehmen könnten und hatte versucht, die Mutter zu einer Therapie zu bewegen.

 

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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