Urteil gegen den sog. „Entführer von Barmbek“ - Unterbringung des Angeklagten in geschlossener Psychiatrie angeordnet

Urteil gegen den sog. „Entführer von Barmbek“ - Unterbringung des Angeklagten in geschlossener Psychiatrie angeordnet

In dem Verfahren gegen den sog. „Entführer von Barmbek“ hat das Landgericht Hamburg den Angeklagten heute freigesprochen, jedoch gleichzeitig seine Unterbringung in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus angeordnet (Az. 606 KLs 25/11).

Die Beweisaufnahme, hier insbesondere die Anhörung des psychiatrischen Sachverständigen, hat ergeben, dass der Angeklagte  an einer schweren schizotypen Störung leidet. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte aufgrund dieser Erkrankung zur Tatzeit schuldunfähig war. Der Angeklagte war deshalb von den Vorwürfen der Geiselnahme und der Verstöße gegen das Waffenrecht freizusprechen; er war aber nicht freizulassen, denn die Kammer geht davon aus, dass vom Angeklagten aufgrund  seines Krankheitszustands nach wie vor eine erhebliche Gefahr ausgeht. Zum Schutze der Allgemeinheit war deshalb die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus notwendig.

Die im Rahmen der Hauptverhandlung durchgeführte Beweisaufnahme ergab,  dass der Angeklagte sein Opfer, eine 26-jährige israelische Studentin, einige Monate vor der Tat oberflächlich bei Bekannten kennengelernt hatte. Anschließend bereitete er die Entführung der jungen Frau akribisch vor, indem er u.a. seine Wohnung geradezu festungsartig ausbaute, die Fenster mit einem Stacheldrahtgeflecht versah und Vorräte mit einem Gesamtgewicht von 1,6 Tonnen in der Wohnung einlagerte. Am 19. August letzten Jahres hat der Angeklagte die Frau dann gegen 13.00 Uhr in deren Studentenwohnheim aufgesucht und sie unter Vorhalt einer Pistole sowie einer selbst gebauten Handgranate gezwungen, ihn in seine Wohnung zu begleiten. Dort angekommen, schloss der Angeklagte die Wohnungstür ab. Gegen 22.00 Uhr gelang dem Opfer durch einen Sprung aus einem Fenster die Flucht. Als die Polizei die Wohnung des Angeklagten aufsuchte, fand sie dort diverse Waffen sowie Hand- und Fußfesseln. Außerdem befand sich in der Wohnung eine Vielzahl von Gegenständen rund um das Thema Schwangerschaft. Dass die ebenfalls in der Wohnung vorgefundene schallisolierte Telefonzelle in einem Zusammenhang zur Tat stand, hat die Beweisaufnahme nicht ergeben.

Das Gericht geht davon aus, dass der Angeklagte, motiviert von einem krankhaften Liebeswahn, plante, sich über einen längeren Zeitraum mit seinem Opfer in der Wohnung zu verbarrikadieren, die Frau zu einer Art Beziehung zu zwingen und mit ihr ein Kind zu zeugen.

Die Einlassung des Angeklagten,  er habe die junge Frau geliebt, ihr keine Gewalt antun und sie auch nicht gegen ihren Willen in der Wohnung festhalten wollen, bewertete das Gericht als Schutzbehauptung. Die äußeren Tatumstände, hier insbesondere der festungsartige Umbau der Wohnung, die Bedrohung des Opfers mit Waffen und die Tatsache, dass der Angeklagte sein Opfer und sich in der Wohnung eingeschlossen habe, zeigten, dass der Angeklagten bereit gewesen sei, seine wahnhaften Ideen gegebenenfalls auch gewaltsam umzusetzen.

Die Unterbringungsanordnung gilt unbefristet, das heißt, sie wird fortgelten, solange eine Gefahr vom Beschuldigten ausgeht. Eine regelmäßige Überprüfung wird durch die zuständige Strafvollstreckungskammer erfolgen.

Hatte der Angeklagte zu Beginn des Verfahrens noch jeden Therapiebedarf verneint, erklärte er vor der Urteilsverkündung, er sehe nunmehr die Notwendigkeit seiner psychiatrischen Behandlung ein. Auf Rechtsmittel gegen das Urteil hat der Angeklagte verzichtet.