Erneutes Urteil im sog. ?20-Cent-Prozess? - Angeklagter zu zweij?hriger Jugendstrafe verurteilt

Erneutes Urteil im sog. ?20-Cent-Prozess? - Angeklagter zu zweij?hriger Jugendstrafe verurteilt

In dem in den Medien als ?20-Cent-Prozess? bezeichneten Strafverfahren gegen einen 19-J?hrigen hat die Gro?e Strafkammer 4 (Jugendkammer) des Landgerichts Hamburg heute den Angeklagten zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Vollstreckung der Jugendstrafe wurde zur Bew?hrung ausgesetzt.

Zusammen mit seinem etwas j?ngeren Mitt?ter war der Angeklagte wegen der am 12. Juni 2009 ver?bten K?rperverletzung mit Todesfolge bereits am 2. Dezember 2010 vom Landgericht Hamburg zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und 4 Monaten verurteilt worden (vgl. hiesige Pressemitteilung vom selben Tag). Die erneute Entscheidung ?ber die Dauer der Jugendstrafe wurde notwendig, nachdem der Bundesgerichtshof auf die Revision des Angeklagten das landgerichtliche Urteil hinsichtlich der Strafh?he aufgehoben und die Sache zur?ckverwiesen hatte. Der Bundesgerichtshof war der Auffassung, das Landgericht habe im Urteil vom 2. Dezember 2010 die erzieherische Notwendigkeit f?r eine Jugendstrafe dieser L?nge nicht ausreichend begr?ndet.

Im Jugendstrafverfahren kommt es f?r die Strafh?he nicht prim?r auf die Schwere der Tat oder Aspekte der S?hne, sondern auf erzieherische Gesichtspunkte an. Das Gericht musste daher pr?fen, in welchem Umfange eine Jugendstrafe heute notwendig ist, um erzieherisch auf den Angeklagten einzuwirken. Auf dieser Grundlage und unter Ber?cksichtigung der Vorgaben des Bundesgerichtshofs erachtete die Kammer zum jetzigen Zeitpunkt ? ca. 2 ? Jahre nach der Tat ? unter Ber?cksichtigung der zwischenzeitlichen Entwicklung des Angeklagten eine Jugendstrafe von zwei Jahren als erzieherisch ausreichend. Zu Gunsten des Angeklagten? hat die Kammer vor allem ber?cksichtigt, dass der Angeklagte vor der Tat vom 12. Juni 2009 nicht nennenswert straff?llig geworden ist, aufrichtige Reue gezeigt hat, in einer stabilen famili?ren Umgebung lebt und mittlerweile einer regelm??igen Arbeit nachgeht. Au?erdem war von Belang, dass der Angeklagte die Tat in alkoholisiertem Zustand aus einer spontanen jugendtypischen Solidarisierung und nicht aus einer grunds?tzlich gesteigerten kriminellen Energie heraus beging.

Die Vollstreckung der Jugendstrafe konnte zur Bew?hrung ausgesetzt werden. Die Kammer geht auch nach Anh?rung eines jugendpsychiatrischen Sachverst?ndigen davon aus, dass die Vollstreckung der Jugendstrafe nicht aus erzieherischer Sicht geboten ist. Sie nimmt an, dass der Pers?nlichkeitsentwicklung des Angeklagten eine Erziehung in Freiheit eher zutr?glich ist als ein l?ngerer Aufenthalt in der Jugendhaftanstalt. Die Kammer hat einen Bew?hrungshelfer beigeordnet und als Bew?hrungsauflage die Teilnahme an einem sozialen Kompetenztraining angeordnet.