Becherwurf im Bundesligaspiel - Verwarnung mit Strafvorbehalt für den Angeklagten

Becherwurf im Bundesligaspiel - Verwarnung mit Strafvorbehalt für den Angeklagten

Der sog. „Becherwerfer“ im Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem FC St. Pauli und dem FC Schalke 04 ist einer gefährlichen Körperverletzung schuldig. Dies hat heute das Amtsgericht Hamburg entschieden und den Angeklagten (44) unter Vorbehalt einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à EUR 80 verwarnt. Dem Angeklagten wurde zudem die Auflage erteilt, an den durch den Becherwurf verletzen Linienrichter ein Schmerzensgeld in Höhe von EUR 1.500,-- und weitere EUR 1.500,-- an die Sepp-Herberger-Stiftung zu zahlen.

Die Verwarnung mit Strafvorbehalt stellt gewissermaßen eine Geldstrafe auf Bewährung dar.  Wird der Verurteilte während der Bewährungszeit von zwei Jahren erneut straffällig oder verstößt er nachhaltig gegen die Zahlungsauflagen, muss er die Geldstrafe bezahlen. Ansonsten stellt das Gericht nach Ablauf der Bewährungszeit fest, dass es bei der Verwarnung sein Bewenden hat.

Die Beweisaufnahme ergab zur Überzeugung des Gerichts, dass der Angeklagte am 1. April 2011 gegen Ende des Fußball-Bundesligaspiels FC St. Pauli gegen FC Schalke 04 leicht alkoholisiert mit einem jedenfalls zum Teil gefüllten Plastikbecher nach dem Linienrichter geworfen hat. Der von dem Becher im Nacken getroffene Linienrichter ging benommen zu Boden und litt in der Folgezeit unter erheblichen Kopf- und Nackenschmerzen.

Das Gericht hat den Angeklagten nicht nur der einfachen, sondern einer gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden, da mit dem gefüllten Bierbecher ein „gefährliches Werkzeug“ im Sinne des Strafgesetzbuchs für die Körperverletzung eingesetzt worden sei.

Dass gegen den Angeklagten nur eine Verwarnung mit Strafvorbehalt ergangen ist, beruht allein auf den besonderen Umständen des Einzelfalls. So führte der Vorsitzende in seiner mündlichen Urteilsbegründung aus, mit dem Angeklagten habe kein gewaltbereiter Hooligan, sondern ein bislang unbescholtener Familienvater vor Gericht gestanden. Es sei eine feige Tat gewesen, den Linienrichter mit dem Becherwurf von hinten anzugreifen. Dennoch müsse berücksichtigt werden, dass es sich um ein kurzfristiges situatives Versagen im alkoholisierten Zustand gehandelt habe. Das Gericht  habe bei der Suche nach der angemessenen Sanktion insbesondere auch die dem Angeklagten drohenden zivilrechtlichen Folgen seiner Tat berücksichtigt. So habe der FC St. Pauli eine Schadensersatzforderung in einer Größenordnung von EUR 400.000,-- gegen den Angeklagten angekündigt. Es liegen damit besondere Umstände vor, die es rechtfertigen von der Vollstreckung der Geldstrafe zum jetzigen Zeitpunkt abzusehen. Das Gericht geht davon aus, dass keine Vollstreckung notwendig ist, um den Angeklagten davon abzuhalten, erneut straffällig zu werden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Angeklagter und Staatsanwaltschaft können binnen einer Woche Berufung zum Landgericht oder Revision zum Oberlandesgericht einlegen.