Urteil des Landgerichts Hamburg wegen Gewalttaten am Rande des Harburger Binnenhafenfests 2010

Urteil des Landgerichts Hamburg wegen Gewalttaten am Rande des Harburger Binnenhafenfests 2010

Die Gro?e Strafkammer 4 ? Jugendschwurkammer ? des Landgerichts Hamburg hat heute einen Heranwachsenden und einen Jugendlichen wegen der von ihnen im Juni 2010 am Rande des Harburger Binnenhafenfests begangenen Gewalttaten zu mehrj?hrigen Jugendstrafen verurteilt (Az. 604 Ks 22/10).?

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Der bereits fr?her wegen Gewaltdelikten strafrechtlich in Erscheinung getretene Angeklagte Zana D. (19) wurde wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit vollendeter schwerer und gef?hrlicher K?rperverletzung sowie wegen gef?hrlicher K?rperverletzung in zwei F?llen und einfacher K?rperverletzung in zwei F?llen zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt. Daneben hat die Kammer wegen der Alkoholabh?ngigkeit des Angeklagten seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

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Der Angeklagte Mesut S. (17) wurde wegen gef?hrlicher K?rperverletzung und schwerer K?rperverletzung in Tateinheit mit gef?hrlicher K?rperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Vollstreckung der Jugendstrafe wurde zur Bew?hrung ausgesetzt.? Das Gericht erteilte dem Angeklagten die Auflage, die von ihm bereits begonnene Psychotherapie fortzusetzen.

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Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass die beiden Angeklagten am Abend des 5. Junis 2010 im Rahmen einer Rangelei mit einem Radfahrer diesen, auch nachdem er bereits zu Boden gegangen war, wechselseitig geschlagen und getreten haben. Einen eingreifenden Passanten attackierte der Angeklagte D. durch Schl?ge gegen Arm und R?cken und einen versuchten ?Kung Fu-Tritt?, bis der Mitangeklagte S. beschwichtigend einwirkte. Unmittelbar darauf schlug der Angeklagte D. den in der N?he stehenden Herrn L. (43) zu Boden, der durch einen im Jahre 2004 erlittenen Schlaganfall in seiner Abwehrf?higkeit erheblich beeintr?chtigt war. Dem wehrlos am Boden liegenden Opfer trat er sodann mehrfach gegen den Oberk?rper. Der Angeklagte S. kam hinzu und trat Herrn L. einmal wuchtvoll in das ungesch?tzte Gesicht. Danach floh er, w?hrend der Angeklagte D. bis zum Eintreffen der Polizei weiter mit der Faust auf das Opfer einschlug. Herr L., der an der Hauptverhandlung als Nebenkl?ger teilnahm, erlitt Verletzungen, aufgrund derer er zurzeit f?r jede Art von Alltagsverrichtung auf fremde Hilfe angewiesen ist und auf unbestimmte Zeit arbeitsunf?hig sein wird.

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Die so unterschiedliche Bestrafung der beiden Angeklagten beruhte insbesondere darauf, dass die Kammer dem Angeklagten S. keinen T?tungsvorsatz nachweisen konnte und deshalb eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags ausschied. Aufgrund der Angaben des Alkoholsachverst?ndigen sowie des jugendpsychiatrischen Sachverst?ndigen konnte die Kammer nicht ausschlie?en, dass der bisher in keiner Weise mit Gewalttaten auff?llig gewordene und nicht alkoholgewohnte S. aufgrund seiner Alkoholisierung (ca. 2,4 Promille zur Tatzeit) von pl?tzlichen aggressiven Gef?hlen so ?berflutet war, dass er die durch seinen Tritt hervorgerufene Lebensgefahr f?r Herrn L. nicht realistisch einsch?tzen konnte und insgesamt in seiner Steuerungsf?higkeit erheblich eingeschr?nkt war.

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Au?erdem hat die Jugendkammer im Rahmen der Strafzumessung zugunsten von S. erheblich strafmildernd ber?cksichtigt, dass er fr?hzeitig die Verantwortung f?r die Tat ?bernommen, aufrichtige Reue gezeigt, sich bei Herrn L. entschuldigt und sich verpflichtet hat, an ihn ein Schmerzensgeld in H?he von 10.000 Euro zu zahlen. Herr L. hat die Entschuldigung angenommen. Auch hat S. aus eigenem Antrieb eine Psychotherapie zur Tataufarbeitung begonnen. Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der Tatsachen, dass S. ?ber tragf?hige famili?re Bindungen verf?gt und sich in einem festen Arbeitsverh?ltnis befindet, konnte davon ausgegangen werden, dass er sich bereits die Verurteilung zur Warnung dienen lassen und auch ohne die Einwirkung des Strafvollzugs keine Straftaten mehr begehen wird.

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Der Angeklagte D. war dagegen weder in seiner Wahrnehmungs- noch in seiner Steuerungsf?higkeit eingeschr?nkt. Den vom Mitangeklagten S. ausgef?hrten brutalen Tritt ins Gesicht des Herrn L. musste sich D. als Mitt?ter zurechnen lassen, als h?tte er ihn selbst ausgef?hrt. Das Gericht hat D. auch verurteilt, ein Schmerzensgeld an Herrn L. zu zahlen.