„Jungfernstieg-Prozess“ Urteil des Landgerichts Hamburg im Verfahren gegen Elias A. und andere

„Jungfernstieg-Prozess“ Urteil des Landgerichts Hamburg im Verfahren gegen Elias A. und andere

Heute hat das Jugendschwurgericht des Landgerichts Hamburg in dem sog. "Jungfernstieg-Prozess" sein Urteil gesprochen. Der zur Tatzeit jugendliche Angeklagte Elias A. wurde wegen Totschlags zum Nachteil des Mel Phil D. zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt. Der Mitangeklagte Kamil-Can K. wurde wegen gefährlicher Körperverletzung, der weitere Mitangeklagte Sebastian S. wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verurteilt. Beide wurden mit Erziehungsmaßregeln bzw. Zuchtmitteln belegt. Für diese beiden Angeklagten stellte sich der tödliche Messerstich durch den Angeklagten Elias A. als sog. „Exzess“ dar, der ihnen nicht zugerechnet werden konnte.

Mit dem Urteil endet nach dreizehn Verhandlungstagen der nach dem Jugendgerichtsgesetz nichtöffentliche Prozess, in dessen Zentrum die Frage stand, ob der Angeklagte Elias A. zum Zeitpunkt der Stichabgabe mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt hatte. Der Angeklagte Elias A. hatte angegeben, er habe beabsichtigt, den linken Oberarm des Opfers zu treffen. Tatsächlich traf der Stich das Herz des Opfers.

Bedingter Tötungsvorsatz liegt vor, wenn der Täter bei seinem Handeln den Todeseintritt als möglich erkennt und den Tod des Opfers billigend in Kauf nimmt. Demgegenüber ist Körperverletzung mit Todesfolge gegeben, wenn der Täter ernsthaft und nicht nur vage auf das Ausbleiben tödlicher Verletzungen vertraut. Diese Rechtsfrage hat die Kammer dahingehend entschieden, dass der Angeklagte Elias A. bedingt vorsätzlich handelte. Die Tat wurde daher als Totschlag gewertet. Das Gericht bewertete die Tat als vollkommen grundlos. Das Opfer Mel Phil D. habe zu keinem Zeitpunkt Veranlassung zur Tat gegeben, sondern im Gegenteil beschwichtigend auf den Angeklagten und dessen Tatgenossen reagiert. Dennoch habe der Angeklagte Elias A. dem Geschädigten einen Stich mit seinem Messer versetzt, der letztlich das Herz getroffen und wenig später zum Tode von Mel Phil D. noch auf dem U-Bahnsteig der Linie U2 am Jungfernstieg geführt habe.

Die Kammer verhängte eine Jugendstrafe unter dem Aspekt der sog. „schädlichen Neigungen“ und wegen „Schwere der Schuld“ (§ 17 JGG). Zugunsten des Angeklagten wurde vor allem sein frühzeitiges Geständnis bewertet, das dieser bereits bei der Polizei abgelegt hatte. Auch in der Hauptverhandlung zeigte der Angeklagte Elias A. Einsicht und Reue. Die aus Sicht der Kammer erzieherisch notwendige Jugendstrafe biete dem Angeklagten die Chance zu einem Wendepunkt.