Urteil im sog. 20-Cent-Prozess - Angeklagte zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt

Urteil im sog. 20-Cent-Prozess - Angeklagte zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt

In dem von den Medien als 20-Cent-Prozess bezeichneten Strafverfahren gegen zwei jugendliche Angeklagte hat die Große Strafkammer 27 des Landgerichts Hamburg heute das Urteil verkündet.

Beide Angeklagten sind wegen einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung mit Todesfolge zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt worden. Der ältere Angeklagte wurde zu einer Jugendstrafe von 3 Jahren und 4 Monaten verurteilt. Der jüngere Angeklagte wurde zu einer Jugendstrafe von 3 Jahren und 10 Monaten verurteilt.

Die Hauptverhandlung hat ergeben, dass zunächst der jüngere und dann beide Angeklagten am Abend des 12. Juni 2009 ohne Anlass eine verbale Auseinandersetzung mit dem später verstorbenen Herrn M. herbeigeführt haben. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung schlug der ältere Angeklagte Herrn M. so stark mit der Faust ins Gesicht, dass dieser stürzte. Herr M. schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf und erlitt eine Kopfverletzung an der er später starb. Auch wenn nur ein Angeklagter geschlagen hat, muss sich der andere als Mittäter diesen Schlag zurechnen lassen.

Zwar handelten die Angeklagten ohne Tötungsvorsatz. Sie konnten es nach der Überzeugung des Gerichts aber vorhersehen, dass der massive Faustschlag ins Gesicht des Opfers zum Tode führen konnte. Deshalb sind die Angeklagten entsprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden.

Die Beweisaufnahme hat nicht ergeben, dass die Angeklagten in einer potentiell tödlichen Art und Weise auf das Opfer eingetreten haben. Davon war die Staatsanwaltschaft bei Anklageerhebung noch ausgegangen. Allerdings konnte die Rechtsmedizin keine durch Tritte verursachten Verletzungen beim Opfer feststellen. Der jüngere Angeklagte hat eingeräumt, ohne Wucht zweimal in Richtung Kopf und Schulter des Opfers getreten zu haben. Damit liegt zwar eine Körperverletzung vor, aber es besteht keine ausreichende Grundlage für einen Tötungsvorsatz. Dem anderen Angeklagten, der sich bereits abgewandt hatte, konnten die Tritte nicht zugerechnet werden.