Tod des Kindes Lara Mia R.-Urteil

Tod des Kindes Lara Mia R.-Urteil

In dem Verfahren gegen Jessica R., die Mutter des im März 2008 verstorbenen Kin-des Lara Mia R., und ihren Lebensgefährten Daniel C. hat die Große Strafkammer 17 des Landgerichts Hamburg heute das Urteil verkündet.

Jessica R. wurde wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung durch Un-terlassen, gemeinschaftlicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren verurteilt. Die Vollstreckung der Jugendstrafe wurde zur Bewährung ausge-setzt.

Daniel C. wurde wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung durch Un-terlassen und gemeinschaftlicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht durch Unterlassen zu einer Jugendstrafe von 9 Monaten verurteilt, deren Vollstre-ckung ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Kammer sieht es als erwiesen an, dass die Angeklagten Lara Mia ab ca. August 2008 nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt und trotz der spätestens im De-zember 2008 erkennbaren Unterernährung keine Maßnahmen zur Abwendung der Lebensgefahr ergriffen, insbesondere keine ärztliche Hilfe hinzugezogen hatten.

Der Tod des Kindes könne den Angeklagten hingegen nicht zugerechnet werden. Die Kammer habe nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen können, dass Lara Mia am 11. März 2009 wegen Unterernährung gestorben ist. Auch wenn sie kurz vor dem Hungertod gestanden habe, lasse sich der plötzliche Kindstot als To-desursache nicht ausschließen.

Die Kammer hat die Angeklagten auch nicht wegen versuchter Tötung durch Unter-lassen verurteilt. Zwar hätten beide billigend in Kauf genommen, dass Lara Mia infol-ge der mangelhaften Ernährung stirbt, was für eine Verurteilung grundsätzlich ausge-reicht hätte. Von diesem Versuch seien sie aber strafbefreiend zurückgetreten, indem sie am 11. März 2009 sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen einleiteten, nachdem sie das Kind, das zu diesem Zeitpunkt bereits tot war, gefunden hatten. Den Ange-klagten sei nicht nachzuweisen, dass sie den Tod des Kindes erkannt hatten.

Die Kammer hat beide Angeklagten nach Jugendstrafrecht verurteilt. Die Gesamt-würdigung der Persönlichkeiten der Angeklagten habe ergeben, dass sie zur Tatzeit nach ihrer geistigen und sittlichen Entwicklung Jugendlichen gleichstanden.

Die Angeklagten haben durch ihre Verteidiger erklären lassen, auf Rechtsmittel ge-gen das Urteil zu verzichten. Das Urteil kann deshalb nur noch von der Staatsanwalt-schaft angefochten werden.