25 Jahre Zeuginnen- und Zeugenbetreuung: Jubiläumsveranstaltung am 20. November 2019

25 Jahre Zeuginnen- und Zeugenbetreuung am Landgericht Hamburg

Seit 25 Jahren gibt es in den Hamburger Gerichten mit der Zeuginnen- und Zeugenbetreuung eine Anlaufstelle für Menschen, die mit Strafverfahren als Zeuginnen und Zeugen in Berührung kommen. Seit der Gründung dieser Einrichtung im Jahr 1994 stehen besonders geschulte Beraterinnen und Berater für Fragen, Nöte und Ängste von Zeuginnen und Zeugen zur Verfügung und begleiten diese bei ihren Aussagen vor Gericht. Für besonders schutzbedürftige Opfer von Straftaten gibt es seit dem 1. Januar 2017 auch die Psychosoziale Prozessbegleitung, die die Zeuginnen- und Zeugenbetreuung neben anderen Trägern anbietet.

Anlässlich des 25jährigen Bestehens lädt das Landgericht Hamburg am 20. November 2019 zur Festveranstaltung „25 Jahre Zeuginnen- und Zeugenbetreuung - Ein Aspekt professioneller Opferhilfe“ ein, die von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr im Plenarsaal des Hanseatischen Oberlandesgerichts, Sievekingplatz 2 stattfindet. Nach einer Begrüßung durch die Präsidentin des Oberlandesgerichts Erika Andreß und den Landgerichtspräsidenten Dr. Marc Tully werden der Justizsenator Dr. Till Steffen und der Amtsgerichtspräsident Hans-Dietrich Rzadtki jeweils ein Grußwort sprechen. Es folgt ein Vortrag des Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. Olaf Lobermeier zum Thema „Viktimisierungs- und Bewältigungstheorien im Zusammenhang mit Zeuginnen- und Zeugenvernehmungen“. Ab 13:45 Uhr sprechen die Mitarbeiterinnen der Zeuginnen- und Zeugenbetreuung Christina Beltle und Juliane Kobrow über die „Zeugenbetreuung Hamburg: Ein Rückblick, Einblick und Ausblick in die Arbeit der Zeuginnen- und Zeugenbetreuung Hamburg“. Die Veranstaltung moderiert die Kriminologin Prof. Dr. Bärbel Bongartz.

Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zur Berichterstattung eingeladen. Eine Voranmeldung unter pressestelle@olg.justiz.hamburg.de oder 040/42843-2017 wird erbeten.

Die Zeuginnen- und Zeugenbetreuung wurde zum 1. Februar 1994 zunächst unter der Bezeichnung „Zeuginnenschutzzimmer“ als Einrichtung der Opferhilfe gegründet und ist dem Landgericht Hamburg angegliedert. Das Angebot richtet sich an Opfer von Gewalt- und Sexualdelikten und Zeuginnen und Zeugen, die ohne unmittelbar Opfer zu sein, im Vorfeld ihrer Aussage Unterstützungsbedarf haben, und bezieht auch Angehörige und befreundete Personen von Geschädigten ein. Im Strafjustizgebäude und in den meisten Amtsgerichten gibt es mittlerweile Räume, in denen Zeuginnen und Zeugen während der laufenden Prozesse betreut werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten telefonische und persönliche Beratung von Betroffenen mit Unterstützungsbedarf an und beantworten Fragen zum Ablauf einer Verhandlung. Bei Bedarf werden die Ratsuchenden auch während ihrer Aussage im Prozess begleitet. Insgesamt werden im Jahr rund 1400 Zeuginnen und Zeugen beraten; davon werden im Schnitt 325 Personen in den Prozess begleitet.  

Eine besonders intensive Form der Zeuginnen- und Zeugenbetreuung ist die Psychosoziale Prozessbegleitung, die für besonders schutzbedürftige Opfer schwerer Gewalttaten zur Verfügung steht. In jedem Stadium eines solchen Ermittlungsverfahrens, also auch lange bevor es zum Prozess kommt, kann bei Bedarf eine Psychosoziale Prozessbegleitung mit dem Ziel eingerichtet werden, die mit der Zeugenrolle verbundenen Belastungen zu reduzieren und im Einzelfall auch weitere Hilfen zu vermitteln. Psychosoziale Prozessbegleiterinnen und -begleiter sind in einem sozialen, pädagogischen oder psychologischen Beruf ausgebildet und müssen sich mit einer speziellen Weiterbildung qualifiziert haben. Diese seit 2017 bestehende Unterstützungsleistung bieten außer der Zeuginnen- und Zeugenbetreuung, deren Beraterinnen bislang in insgesamt 44 Fällen beigeordnet worden sind, auch freie Träger in Hamburg an.