Morsal O.: Bruder zur lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt

Morsal O.: Bruder zur lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt

Morsal O.: Bruder zur lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt

Das Schwurgericht des Landgerichts Hamburg, Große Strafkammer 21, hat heute den Angeklagten Ahmad-Sobair O. wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

 

Die Kammer hält es für erwiesen, dass der Angeklagte seine 16 Jahre alte Schwester Morsal O. am 15.Mai 2008 gegen 23:15 Uhr am Berliner Tor getötet hat, indem er ihr zahlreiche Messerstiche versetzt hat.

Die Tat hatte er nachmittags geplant und Morsal mithilfe eines Cousins zum unbeleuchteten und zu der Zeit unbelebten Tatort gelockt.

 

Er tötete seine Schwester, weil sie nicht nach den für Frauen sehr strengen Regeln afghanischer Traditionen leben wollte, sondern wie ein deutsches Mädchen. Nach Ansicht des Angeklagten führte seine Schwester einen ehrverletzenden Lebenswandel, denn er warf ihr vor, ihre Kleidung verhülle ihren Körper nicht genügend, sie schminke sich zu stark, pflege heimlich Umgang mit  Männern, prostituiere sich und nehme Drogen.

Alle bisherigen Maßnahmen der Familie, Morsal zu einem traditionellen Verhalten zu zwingen, waren gescheitert. Angesichts dessen, dass Morsal sich dem Kinder- und Jugendnotdienst anvertraut hatte und nicht mehr zu Hause wohnen wollte, fürchtete der Angeklagte, ein Einfluss der Familie auf Morsal sei nun ganz unmöglich und Morsal könne sich nun erst recht ermutigt sehen, Dinge zu tun, die einer afghanischen Frau nicht erlaubt seien.

 

Der Angeklagte war bei Begehung der Tat schuldfähig. Das Gericht geht zwar mit der psychiatrischen Sachverständigen Frau Dr. Röhl davon aus, dass der Angeklagte unter einer emotional instabilen sowie unter einer narzistischen Persönlichkeitsstörung  leidet. Es teilt jedoch nicht die Meinung der Sachverständigen, der Angeklagte sei in seiner Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit erheblich eingeschränkt gewesen. Das Gericht hatte vielmehr durch das Gutachten sowie aufgrund der in vielen anderen  Schwurgerichtsverfahren gewonnenen Erfahrungen genügend Sachkunde, um nach Würdigung aller Anknüpfungs- und Befundtatsachen zu einer eigenen Überzeugung zu gelangen. Es ist nach Auswertung aller Beweismittel und Indizien davon überzeugt, dass der Angeklagte am Tatort nicht in eine so massive narzistische Krise oder in einen so schweren Affekt geriet, dass seine Steuerungsfähigkeit  zur Tatzeit erheblich vermindert war oder dies zumindest nicht ausgeschlossen werden kann.

 

Die Straftat ist als Mord zu werten, weil der Angeklagte sowohl heimtückisch als auch aus einem niedrigen Beweggrund handelte. Dabei gilt die Tötung eines Menschen aus Gründen der sog. Ehre nach den Vorstellungen der Rechtsgemeinschaft in Deutschland jedenfalls dann als niedriger Beweggrund, wenn der Täter mit den deutschen Rechts- und Wertvorstellungen vertraut ist. Dies trifft auf den Angeklagten, der bereits viele Jahre in Deutschland lebt und auch hier zur Schule gegangen ist, zu.