2 Jahre Jugendstrafe für „Messerstecher von Mundsburg“

2 Jahre Jugendstrafe für „Messerstecher von Mundsburg“

Eine Jugendkammer des Landgerichts Hamburg hat den 15 jährigen Angeklagten Ali O. heute zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren verurteilt, auf die die von ihm seit dem 12. Oktober 2005 erlittene Untersuchungshaft nicht angerechnet worden ist. Die Vollstreckung der Strafe ist nicht zur Bewährung ausgesetzt, sondern die Strafaussetzung zur Bewährung für die Dauer von 6 Monaten vorbehalten worden. Ali O. ist die Auflage erteilt worden, sich sofort in das geschlossene Heim Feuerbergstraße zu begeben und dort zu verbleiben, solange es von Seiten der zuständigen Erzieher als erforderlich angesehen wird.

Ali O. war unter anderem zur Last gelegt worden, am 8. Oktober 2005 auf dem U-Bahnhof Mundsburg einen versuchten Totschlag begangen zu haben, indem er nach einer vorangegangenen Auseinandersetzung auf den Geschädigten B. eingestochen habe.

Die Jugendkammer hat in diesem Fall nach Vernehmung von insgesamt 6 Tatzeugen und des Arztes, der den Geschädigten im Krankenhaus behandelt hat, einen Tötungsvorsatz nicht sicher feststellen können. Insoweit bestanden Zweifel insbesondere aufgrund der Bekundung des behandelnden Arztes. Dieser hat als sachverständiger Zeuge ausgeführt, die Lunge des Geschädigten sei nicht verletzt und der Stichkanal sei maximal 3 Zentimeter tief gewesen. Da knöchernes Gewebe bei dem Stich nicht verletzt worden sei, hätte das Messers in Ermangelung eines Widerstandes sehr leicht zwischen den Rippen tief in den Brustraum eindringen können. Die geringe Tiefe des Stichkanals spreche bei diesem Befund dafür, dass der Stich mit geringem Kraftaufwand ausgeführt worden sei. Dieser sachverständigen Einschätzung hatte die Kammer Rechnung zu tragen. Sie hat den Angeklagten deswegen in diesem Fall der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden.

Obwohl der Angeklagte sich erstmals vor dem Jugendgericht zu verantworten hatte und bei Begehung der Taten erst 14 Jahre alt war, sah die Kammer wegen der Tat vom 8. Oktober und einer Reihe weiterer Taten, die der Angeklagte seit dem 8. Juni 2005 begangen hatte, die Voraussetzungen für die Verhängung einer Jugendstrafe als erfüllt an. Unter Berücksichtigung des Erziehungsbedarfs bei dem Angeklagten hielt die Kammer eine Jugendstrafe von 2 Jahren im Vollzugsfall für erforderlich, wenn im Jugendstrafvollzug mit ihm sinnvolle Arbeit möglich sein soll. Aus diesem Grund ist die erlittene Untersuchungshaft von gut 4 Monaten nicht auf die Jugendstrafe angerechnet worden. Allerdings muss nach Auffassung der Kammer vor dem Vollzug der Jugendstrafe zunächst erprobt werden, ob mit dem Angeklagten im Rahmen einer geschlossenen Heimunterbringung nicht sinnvollere Erziehungsarbeit geleistet werden kann. Deswegen hat die Kammer dem Angeklagten die eingangs genannte Auflage erteilt und sich die Strafaussetzung zur Bewährung im Hinblick darauf, ob die Erziehungsarbeit in dem geschlossenen Heim Feuerbergstraße erfolgreich verläuft, vorbehalten.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von drei Jahren wegen versuchten Totschlags beantragt. Die Verteidigung hatte auf maximal 2 Jahre Jugendstrafe mit Bewährung unter der Auflage plädiert, dass sich der Angeklagte in die geschlossene Unterbringung in der Feuerbergstraße begeben solle.