Haftbefehl gegen mutmaßlichen Kindesentzieher

Haftbefehl gegen mutmaßlichen Kindesentzieher

(25.05.2005) Der Beschuldigte Jörg H. befindet sich in Untersuchungshaft. Das Landgericht Hamburg, Jugendschutzkammer, hat auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft den Beschluss des Amtsgerichts Hamburg vom 24.5.2005 (Nichterlass eines Haftbefehls) aufgehoben und gegen Jörg H. Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der Kindesentziehung im qualifizierten Fall und wegen Fluchtgefahr erlassen. Er wurde heute um 13.20 Uhr in seiner Wohnung durch Polizeibeamte des Polizeikommissariats 23 verhaftet.

Während die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht Hamburg nur von einer einfachen Kindesentziehung und damit von einem Vergehen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren ausgegangen waren, bejaht das Landgericht, nachdem es noch weitergehende eigene Ermittlungen durchgeführt hat, den dringenden Verdacht sogar der qualifizierten Kindesentziehung (§ 235 Abs. 4 Nr. 1 Strafgesetzbuch), also eines mit einer Freiheitsstrafe von 1 bis 10 Jahren bedrohten Verbrechens. Bei einer 45-minütigen Entführung eines 18 Monate alten Kleinkindes aus der elterlichen Obhut durch einen fremden Mann in eine fremde Umgebung mit anschließender Aussetzung an einem fremden Ort und der beim Auffinden festgestellten Anzeichen emotionaler Verstörung sei davon auszugehen, dass es sich hier um ein für das Kleinkind schwerwiegendes traumatisierendes Ereignis handele, das – wie der qualifizierte Tatbestand verlangt - die konkrete Gefahr einer schweren seelischen Störung in sich berge.

Angesichts des bei diesem qualifizierten Tatbestand bestehenden Strafrahmens von 1 bis 10 Jahren habe der Beschuldigte mit einer erheblichen Freiheitsstrafe zu rechnen. Schon aus diesem Grunde bestehe ein erheblicher Anreiz, sich dem Verfahren durch Flucht zu entziehen. Soziale Kontakte vermögen dem nicht hinreichend entgegenzuwirken.