Sog. UKE-Strahlenskandal

OLG eröffnet Hauptverfahren gegen Prof. Klaus Henning H.

Sog. UKE-Strahlenskandal

(10.10.2003) Der ehemalige Leiter der Abteilung Strahlentherapie des Universitätskrankenhaus Eppendorf Prof. Klaus Henning H. muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg verantworten. Das hat der 3. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts mit Beschluss vom 25.9.2003 entschieden. Er hat auf die sofortigen Beschwerden der Staatsanwaltschaft Hamburg und des Nebenklägers gegen den die Eröffnung des Hauptverfahrens ablehnenden Beschluss des Landgerichts Hamburg die Anklage der Staatsanwaltschaft zur Hauptverhandlung zugelassen sowie das Hauptverfahren vor einer anderen Großen Strafkammer des Landgerichts eröffnet.

Mit der Anklageschrift vom 6.7.2000 hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten eine fahrlässige Tötung zum Nachteil einer Patientin zur Last gelegt. Unter seiner Leitung soll die Verstorbene 1988 im Universitätskrankenhaus Eppendorf im Zusammenhang mit der Behandlung eines Rektumkarzinoms pflichtwidrig übermäßig bestrahlt worden sein und dadurch Strahlenschäden erlitten haben, die am 13. April 1999 zu ihrem Tod geführt hätten.

Das Landgericht Hamburg, Große Strafkammer 32, hat mit Beschluss von Juni 2003 die Eröffnung des Hauptverfahrens mangels hinreichenden Tatverdachts abgelehnt.

Diesen Beschluss hat das Hanseatische Oberlandesgericht auf die sofortigen Beschwerden der Staatsanwaltschaft und des Nebenklägers aufgehoben und das Hauptverfahren vor einer anderen Großen Strafkammer eröffnet. Nach der Aktenlage, insbesondere den eingeholten Gutachten, sei der Angeklagte bei vorläufiger Tatbewertung der fahrlässigen Tötung hinreichend verdächtig:

Die Strahlenspätfolgen seien todesursächlich gewesen.

Es bestehe der hinreichende Verdacht, dass der Tod dem Angeklagten zurechenbar sei, weil er für das standardisierte Bestrahlungskonzept und die damit verbundene Methodenverwendung zum Zeitpunkt der Behandlung der Verstorbenen verantwortlich gewesen sei.

Die Bestrahlungen seien objektiv pflichtwidrig gewesen, weil sie nicht dem Stand der ärztlichen Kunst des Jahres 1988 entsprochen hätten.

Der Angeklagte habe die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen und damit fahrlässig gehandelt.

Insbesondere wäre die Patientin - was das Landgericht anders beurteilt hatte - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht oder erst nach dem 13.4.2003 verstorben, wenn sie mit niedrigeren Strahlendosen und damit dem wissenschaftlich anerkannten Stand der ärztlichen Kunst des Jahres 1988 entsprechend behandelt und damit pflichtgemäß bestrahlt worden wäre (sog. Pflichtwidrigkeitszusammenhang bzw. Ursächlichkeit der Pflichtverletzung).