Urteil gegen Jugendbande

Urteil gegen Jugendbande

(11.07.2003) In dem Strafverfahren gegen Daniel S. (19 Jahre), Emrah T. (16 Jahre), Hussein A.-H. (15 Jahre) und Fatih Y. (14 Jahre) u. a. wegen Mordes im Schanzenpark und wegen versuchten Mordes im Sportplatzring hat die Große Strafkammer 4 des Landgerichts Hamburg - Jugendschwurgericht - heute das Urteil gesprochen. Die Kammer hat folgende Jugendstrafen verhängt: für Daniel S. 10 Jahre, für Emrah T. 8 Jahre (beide u. a. wegen versuchten Mordes in zwei Fällen), für Hussein A.-H. 5 Jahre und 6 Monate sowie für Fatih Y. 4 Jahre (beide u. a. wegen versuchten Totschlags).

Die Haftbefehle wurden aufrechterhalten.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden Angeklagten Daniel S. und Hussein A.-H. die Verhängung einer Jugendstrafe von 10 Jahren und für die Angeklagten Emrah T. eine Jugendstrafe von 9 Jahren sowie für Fatih Y. eine solche von 4 Jahren beantragt. Die Verteidigung hat teilweise deutlich geringere Strafen beantragt.

Alle Angeklagten waren uneingeschränkt schuldfähig. Die Angeklagten haben sich weder gegenüber den jugendpsychiatrischen Sachverständigen, die zur Frage der Verantwortungsreife, der Schuldfähigkeit sowie der Anwendung von Jugendstrafrecht Stellung nahmen, noch in der Hauptverhandlung mündlich zu den Taten geäußert. Es wurden jeweils schriftliche Einlassungen abgegeben, in denen einzelne, zum Teil gravierende Tatbeiträge in Abrede genommen bzw. jeweils anderen Mittätern zur Last gelegt wurden. Dabei war das Bestreben erkennbar, das Maß der eigenen Tatbeteiligung möglichst gering zu halten. Vor diesem Hintergrund konnte nicht mit der hinreichenden Deutlichkeit herausgearbeitet werden, wie es zu den brutalen Taten kommen konnte. Die Motivlage blieb teilweise blass.

Im Fall Schanzenpark konnte nicht ausgeschlossen werden, dass eine gravierende Agressionshandlung (sog. Exzess) nur eines Angeklagten zum Tode von Florian R. geführt hat. Wer dieses war, konnte nicht festgestellt werden. Deshalb konnte trotz des Todes von Florian R. nur eine Verurteilung wegen versuchten Mordes erfolgen.

Der Vater des Getöteten Florian R. nahm als Nebenkläger durchweg an der Hauptverhandlung teil. Auch der als Zeuge gehörte Geschädigte René K. war teilweise anwesend. Der Vater von Florian R. hat im Rahmen seines Schlussvortrages in eindrucksvoller Weise noch einmal verdeutlicht, welch schweres Unrecht von den Tätern begangen wurde und welch unermessliches Leid von den Angehörigen zu tragen ist.

Hinweis:

Die Große Strafkammer 4 hatte am ersten Verhandlungstag die Öffentlichkeit insbesondere im Interesse der Erziehung der drei Jugendlichen ausgeschlossen (§ 48 Abs. 3 Jugendgerichtsgesetz). Die Urteilsverkündung war daher nicht öffentlich. Gleichwohl hat die Jugendkammer nach sorgfältiger Abwägung des Öffentlichkeitsinteresses und der nach dem Jugendgerichtsgesetz zu wahrenden Belange der Angeklagten entschieden, das Urteil in dieser Form bekannt zu geben. Weitere Auskünfte können deshalb nicht erteilt werden.