Prozess gegen mutmaßliche Jugendbande

Mord im Schanzenpark und versuchter Mord im Sportplatzring

Prozess gegen mutmaßliche Jugendbande

(15.04.2003) In dem Strafverfahren gegen die Jugendlichen Emrah T. (16 J.), Hussein H. (15 J.), Fatih Y. (14 J.) und den Heranwachsenden Daniel S. (19 J.) u. a. wegen Mordes im Schanzenpark und wegen versuchten Mordes im Sportplatzring beginnt die öffentliche Hauptverhandlung vor der Großen Strafkammer 4 des Landgerichts Hamburg (Jugendkammer als Jugendschwurgericht) am

Dienstag, dem 22. April 2003, 9.15 Uhr, Saal 237.

Vorsorglich sind bis zum 4. Juli 2003 insgesamt 20 Fortsetzungstermine anberaumt.

Anklagevorwürfe

1. Den Angeklagten Daniel S., Emrah T. und Hussein H. wird vorgeworfen, am Abend des 10.12.2002 im Schanzenpark einen 24-jährigen gemeinschaftlich aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat getötet und durch dieselbe Handlung einen versuchten Raub mit Todesfolge sowie einen Betrug begangen zu haben. Nachdem der Geschädigte ihnen ein wenig Geld für den von ihnen vorgegebenen Verkauf von Marihuana übergeben und sie aufgefordert haben soll, ihm das Marihuana auszuhändigen, sollen sie auf ihn eingeschlagen, eingetreten und gegen den Kopf des am Boden liegenden wehrlosen Geschädigten mehrmals heftig getreten haben und auf den Kopf gesprungen sein. Dabei sollen sie dessen Tod zumindest billigend in Kauf genommen haben. Danach sollen sie seine Börse vergeblich nach weiteren Geldern durchsucht haben. Der Geschädigte verstarb in wenigen Minuten an den schweren Gewalteinwirkungen am Kopf.

2. Allen vier Angeklagten wird zur Last gelegt, am nächsten Tag (11.12.2003) gemeinschaftlich zum Nachteil eines 17-jährigen zunächst durch eine Handlung einen Raub, eine gefährliche Körperverletzung, eine Geiselnahme und einen Computerbetrug und danach durch eine weitere Handlung einen versuchten Mord zur Verdeckung der vorgenannten Straftaten, eine gefährliche Körperverletzung sowie eine Freiheitsberaubung begangen zu haben. Sie sollen dem Geschädigten gegen 18.00 Uhr in der S-Bahn u. a. die EC-Karte weggenommen, ihm durch Schläge und Todesdrohungen die PIN-Nummer der Karte abverlangt und ihn gezwungen haben, mit ihnen die HASPA-Filiale Kieler Str. aufzusuchen. Dort soll Daniel S. unberechtigt € 100,- vom Konto des Geschädigten, der von den anderen drei Angeklagten bewacht worden sein soll, abgehoben haben.

Anschließend sollen die Angeklagten den Geschädigten unter weiteren Schlägen zu einem Bolzen- und Spielplatz am Sportplatzring 71 mitgenommen haben. Dort sollen sie den Geschädigten zu Boden getreten, geschlagen und mit einem Messer mit erheblicher Kraft in den Kopf, den Körper und Arme und Beine gestochen haben, um ihre Identifizierung zu verhindern. Ein Stich durchdrang den Thorax und das Zwerchfell und verletzte die Leber. Obwohl die Angeklagten davon ausgegangen sein sollen, der stark blutende Geschädigte werde in Kürze versterben, wurde er durch operative Maßnahmen gerettet.

3. Die vier Angeklagten sollen ferner ebenfalls am 11.12.2002 gegen 17.45 Uhr (also vor den unter Ziffer 2 geschilderten Taten) einen schweren räuberischen Diebstahl und eine gefährliche Körperverletzung begangen haben.

4. Schließlich wird den Angeklagten Daniel S. und Emrah T. vorgeworfen, am 7.12.2002 eine räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung und einen schweren Raub verübt zu haben.

Pool-Lösung

Der Vorsitzende der Strafkammer gestattet in Abwesenheit der Angeklagten Foto- und Fernsehaufnahmen im Verhandlungssaal jeweils fünf Minuten vor dem festgesetzten Termin und nach Schluss der Verhandlung.

Im Rahmen einer sog. Pool-Lösung werden je ein Kamerateam der öffentlich-rechtlichen Anstalten sowie der Privatsender (jeweils bestehend aus höchstens drei Personen) und je zwei Bildreporter als Pool-Führer zugelassen, sofern sie sich jeweils für ihren Bereich gegenüber der Gerichtspressestelle schriftlich verpflichten, ihr gesamtes Material auf Wunsch konkurrierenden Berichterstattern unverzüglich und unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Ein Sender, der die erforderlichen technischen Voraussetzungen nicht erfüllt, kann nicht Pool-Führer sein.

Die Bestimmung der Pool-Führer bleibt einer Einigung der interessierten Presseorgane überlassen.

Hinweis: Die Pool-Führer sind der Gerichtspressestelle für den ersten Verhandlungstag am Donnerstag, dem 17.4.2003, bis 14.00 Uhr, und für die weiteren Verhandlungstage ebenfalls einen Werktag zuvor bis 14.00 Uhr schriftlich mitzuteilen. Dabei ist - neben der o. g. Verpflichtungserklärung - anzugeben, unter welcher Telefonnummer das Material jeweils abgerufen werden kann.